Zwischen Tradition und Feminismus

 

Ich will mich ja wirklich nicht beschweren. Ich bin gerne eine Frau. Ich liebe es mich zu schminken. Ich liebe es, dass ich länger im Bad brauchen darf. Ich lieb es, dass ich Kleider tragen darf. Und ich liebe es, dass ich mich nicht dafür entschuldigen muss, wenn ich bei einer Tierdoku die eine oder andere Träne verdrücke. Außerdem liebe ich es mitten im Nirgendwo zu wohnen, wo ich meine Nachbar noch beim Namen nennen kann und meine Katze rauslassen kann ohne Angst haben zu müssen, dass sie mit Tempo 80 von einem LKW überfahren wird.

Aber Eines geht mir hier ziemlich auf den Geist. Es scheint wohl in meiner Umgebung, bei meinen Nachbarn, bei manchen Verwandten oder Freunden noch nicht durchgedrungen zu sein, dass eine Frau nicht per se von einem Mann abhängig sein muss und sich trotzdem eine funktionierende Familie wünschen darf. Ich für meinen Teil möchte gerne auf eigenen Beinen stehen, für meine Rechte als Frau einstehen und mich trotzdem in Zukunft um Haus und Kinder kümmern. Auch wenn das bedeutet, zeitweise nur 20 Stunden arbeiten zu gehen und die Karriere etwas hinten anzustellen. Ich kann nicht verstehen, warum es manchmal den Anschein erregt, als würden diese beiden Grundeinstellungen nicht zusammenpassen. Muss ich mich hin und wieder vor meiner Oma rechtfertigen, weil ich immer noch studiere und nicht Lehrerin werde (dieser Beruf lässt sich ja so toll mit der Mutterrolle vereinen) kann es auch vorkommen, dass ich einen schiefen Blick einer Freundin ernte, weil es mir gefällt von einem Mann hofiert zu werden. Ich möchte mich weder für die eine noch die andere Extremposition entscheiden. Die Frage die sich schon Emma Watson gestellt hat schwirrt auch in meinem Kopf ständig herum: Wie muss ich sein um als Feministin zu gelten?

Für mich bedeutet Feminismus nämlich auch die Wahl zu haben, ohne sich für seine Entscheidung in irgendeiner Art und Weise rechtfertigen zu müssen.

Und ja auch ich finde den ganzen Genderwahn etwas übertrieben und mir ist es egal wie die Bundeshymne lautet. Aber dabei dürfen die vielen (oft männlichen) Kritiker den Kern nicht vergessen. Der eben nicht nur GleichbeRECHTigung heißt sondern auch GleichWERTigkeit. Das Weiblein und Männlein als Individuum gleich viel wert sind ist leider auch mehr als 150 Jahre nach der ersten Frauenrechtsbewegung noch immer nicht in allen Ländern der Welt selbstverständlich. Wenn man ehrlich ist findet man kein Land, in dem das der Fall ist. Weswegen es immer noch wichtig zu sein scheint, dass die Diskussion um das Thema immer wieder aufflammt und sei es nur deswegen, weil sich jemand einbildet die Bundeshymne gehöre geändert. Meiner Meinung nach geht es dabei nämlich nicht nur um das Hinzufügen eines Wortes, sondern um das Ins-Gedächtnis-Rufen einer Diskussion zum Thema Wertigkeit und Wertschätzung gegenüber Frauen. Dazu gehört auch die Tatsache, dass es auch in der heutigen ach so toleranten und emanzipierten Welt noch notwendig ist über Frauenquoten und den Equal Pay Day zu diskustieren. Denn alleine die Tatsache, dass es so etwas gibt, zeigt doch deutlich, dass sich zwar mittlerweile einiges getan hat, wir von einer realen Gleichberechtigung aber noch ziemlich weit entfernt sind.

Mir sind zumindest der Feminismus (d.h. für mich Wahlmöglichkeiten, Gleichberechtigung, Entscheidungsfreiheit) als auch Tradition (d.h. Hochzeit, Sonntagsessen und Romantik) sehr viel WERT.

Die inspirierende Rede von Emma Watson gibt’s hier.

Einkaufsliste:

Lederjacke: Mango
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